Gemeinsamer Europäischer Referenzrahmen (GERS)

Was ist der GERS?

Der Gemeinsame Europäische Referenzrahmen für Sprachen (GERS) ist ein im Jahr 2001 vom Europarat veröffentlichter Standard zu Beurteilung von Sprachkompetenz in einer Fremdsprache.

Der GERS setzt sich aus 4 Teilbereichen zusammen: Leseverständnis, Hörverständnis, Schreiben und Sprechen. Jeder Teilbereich hat 3 Kompetenzstufen, die jeweils in 2 Niveaus untergeteilt sind (A1/A2, B1/B2, C1/C2).

NiveaustufenKompetenzen
A1

Elementare Sprachverwendung

Anfänger

Ich kann vertraute, alltägliche Ausdrücke und ganz einfache Sätze verstehen und verwenden, die auf die Befriedigung konkreter Bedürfnisse zielen.
Ich kann mich und andere vorstellen und anderen Leuten Fragen zu ihrer Person stellen – z. B. wo sie wohnen, was für Leute sie kennen oder was für Dinge sie haben – und ich kann auf Fragen dieser Art Antwort geben.
Ich kann mich auf einfache Art verständigen, wenn die Gesprächspartnerinnen oder Gesprächspartner langsam und deutlich sprechen und bereit sind zu helfen.
A2

Elementare Sprachverwendung

Grundlegende Kenntnisse

Ich kann Sätze und häufig gebrauchte Ausdrücke verstehen, die mit Bereichen von ganz unmittelbarer Bedeutung zusammenhängen (z. B. Informationen zur Person und zur Familie, Einkaufen, Arbeit, nähere Umgebung).
Ich kann mich in einfachen, routinemäßigen Situationen verständigen, in denen es um einen einfachen und direkten Austausch von Informationen über vertraute und geläufige Dinge geht.
Ich kann mit einfachen Mitteln die eigene Herkunft und Ausbildung, die direkte Umgebung und Dinge im Zusammenhang mit unmittelbaren Bedürfnissen beschreiben.
B1

Selbstständige Sprachverwendung

Fortgeschrittene Sprachverwendung
Ich kann die Hauptpunkte verstehen, wenn klare Standardsprache verwendet wird und wenn es um vertraute Dinge aus Arbeit, Schule, Freizeit usw. geht.
Ich kann die meisten Situationen bewältigen, denen man auf Reisen im Sprachgebiet begegnet.
Ich kann mich einfach und zusammenhängend über vertraute Themen und persönliche Interessengebiete äußern.
Ich kann über Erfahrungen und Ereignisse berichten, Träume, Hoffnungen und Ziele beschreiben und zu Plänen und Ansichten kurze Begründungen oder Erklärungen geben.
B2

Selbstständige Sprachverwendung

Selbstständige Sprachverwendung
Ich kann die Hauptinhalte komplexer Texte zu konkreten und abstrakten Themen verstehen; ich verstehe im eigenen Spezialgebiet auch Fachdiskussionen.
ich kann mich so spontan und fließend verständigen, dass ein normales Gespräch mit Muttersprachlern ohne größere Anstrengung auf beiden Seiten gut möglich ist. Ich kann mich zu einem breiten Themenspektrum klar und detailliert ausdrücken, einen Standpunkt zu einer aktuellen Frage erläutern und die Vor- und Nachteile verschiedener Möglichkeiten angeben.
C1

Kompetente Sprachverwendung

Fachkundige Sprachkenntnisse
Ich kann ein breites Spektrum anspruchsvoller, längerer Texte verstehen und auch implizite Bedeutungen erfassen.
Ich kann mich spontan und fließend ausdrücken, ohne öfter deutlich erkennbar nach Worten suchen zu müssen.
Ich kann die Sprache im gesellschaftlichen und beruflichen Leben oder in Ausbildung und Studium wirksam und flexibel gebrauchen.
Ich kann mich klar, strukturiert und ausführlich zu komplexen Sachverhalten äußern und dabei verschiedene Mittel zur Textverknüpfung angemessen verwenden.
C2

Kompetente Sprachverwendung

Annähernd mutter-sprachliche Kenntnisse
Ich kann praktisch alles, was ich lese oder höre, mühelos verstehen.
Ich kann Informationen aus verschiedenen schriftlichen und mündlichen Quellen zusammenfassen und dabei Begründungen und Erklärungen in einer zusammenhängenden Darstellung wiedergeben.
Ich kann mich spontan, sehr flüssig und genau ausdrücken und auch bei komplexeren Sachverhalten feinere Bedeutungsnuancen deutlich machen.

Welche Ziele hat der GERS?

Durch den GERS wird eine gemeinsame Basis für intersprachliche Vergleichbarkeit ermöglicht. Dies bietet sowohl für Lernende als auch für Lehrende große Vorteile in Bezug auf die Beschreibung und Ausarbeitung von Lehrpensum, Lehrwerken, Prüfungen und Qualifikationen.

Ziel des GERS ist es vor allem, die verschiedenen europäischen Sprachzertifikate untereinander vergleichbar zu machen und dadurch eine gegenseitige Anerkennung der Qualifikationen zu erreichen. Der GERS wird auch außerhalb von Europa verwendet, aber (noch) nicht überall.

Wie nutze ich den GERS?

Für Sie als zukünftige oder schon Sprachenlernende ist es praktisch und sinnvoll, dass Sie mit der GERS-Skala selbständig, überall und kostenlos eine schnelle und realistische Selbsteinschätzung durchführen können – egal in welcher Sprache. Der GERS bietet quasi eine Einstufungsmöglichkeit ohne Einstufungstest.

In den meisten Fällen wird es so sein, dass Sie in den verschiedenen Teilbereichen (Lesen, Hören, Sprechen, Schreiben) verschiedene Ergebnisse haben. Z. B. ist in einer Sprache Ihr Leseverständnis besser als Ihr Hörverständnis (z. B. Dänisch), in einer anderen Ihr Schreiben besser als Ihr Sprechen (z. B. Französisch).

Der GERS wird mittlerweile sowohl an Sprachschulen als auch an Universitäten, privaten Hochschulen und an Volkshochschulen verwendet. Desweiteren können Sie die erreichte Lernstufe – am überzeugendsten mit einem Zertifikat – in Bewerbungen angeben: Der GERS ist zunehmend auch bei Personalern bekannt geworden.

Hier geht es zum detaillierten GERS Selbsteinschätzungstest, Teil 1-4.

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